Munich Cluster for Systems Neurology
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Press Release (in German): 50 Jahre Uniklinikum - Perspektiven der MS-Forschung

Münchner Forscher studieren mittels moderner Mikroskopieverfahren die Mechanismen der Nervenzellschädigung bei der Multiplen Sklerose. Sie konnten zeigen, dass sich Veränderungen an Nervenzellfortsätzen spontan, aber auch unter experimentellen Therapien zurückbilden können.

22.05.2017

„Wir wissen noch zu wenig über die molekularen Prozesse bei der Multiplen Sklerose, speziell über die Mechanismen der Axondegeneration“, sagt Professor Thomas Misgeld; SyNergy-Mitglied, Direktor des Instituts für Neuronale Zellbiologie an der TUM und Mitglied des Deutschen Zentrums für Neurodegenerative Erkrankungen. Obwohl sich weltweit Forscher intensiv mit der Multiplen Sklerose (MS) befassen, verfügen sie immer noch nicht über ein Gesamtbild des Krankheitsmechanismus. In detaillierter Forschungsarbeit tragen sie Stück für Stück die fehlenden Teile des MS-Puzzles zusammen – derzeit auch im Rahmen des Münchner Exzellenzclusters „Munich Center for Systems Neurology“ (SyNergy).

Charakteristisch für die Autoimmunkrankheit sind zu Beginn lokale Entzündungsherde in Gehirn und Rückenmark und eine schubweise Störung der Erregungsleitung in den Nervenzellen (Neurone). Zu den Symptomen gehören unter anderem Lähmungen, Sehstörungen oder Taubheitsgefühle. Besonders auffällig sind Schäden der Myelinschicht, also der fettreichen Hülle, welche die Nervenzellfortsätze (Axone) elektrisch isoliert. Im Verlauf der Krankheit degenerieren auch zahlreiche Axone – ein Prozess, der zum irreversiblen Verlust der neuronalen Funktion führen kann. „Dauerhafte neurologische Probleme bei MS-Patienten korrelieren mit dem Ausmaß an axonalem Schaden“, kommentiert Professor Misgeld.

Bis vor Kurzem glaubten viele Forscher, dass die Zerstörung der Myelinscheide die Hauptursache für den Verlust der Axone sei. Nun gibt es eine andere Sichtweise: Die Teams um Professor Misgeld und seinen Kollegen Professor Martin Kerschensteiner (LMU), ebenfalls SyNergy-Mitglied, konnten in Modellen der MS zeigen, dass auch Axone mit intakter Schutzhülle absterben. Daher scheint der Abbau der Myelinschicht nicht die einzige Ursache für die Axon-Degeneration zu sein.

 

Pressemeldung des Klinikums rechts der Isar der TUM